Die deutschen Bundesbürger sparen ihr Geld: Mehr als die Hälfte aller Deutschen gibt an, regelmäßig zu sparen, ein weiteres Drittel spart gelegentlich– nur jeder zehnte Bundesbürger legt kein Geld für den Ernstfall zur Seite. Die von den privaten Haushalten für die Vermögens-Bildung verwendeten Mittel stiegen im Jahr 2010 um 6,7 Milliarden auf 153,6 Milliarden Euro.

Dabei stellen Bankeinlagen die beliebteste Anlageform dar. Im Durchschnitt verfügte jeder Haushalt in Deutschland über ein Geldvermögen in Höhe von 115.400 Euro, dem Verbindlichkeiten von 38.200 Euro gegenüberstanden. Die Sparmotive sind relativ klar auf Sicherheit ausgerichtet. Dieser Faktor ist 60 Prozent der Befragten am wichtigsten, die Verfügbarkeit rangiert mit 22 Prozent auf Platz zwei, gefolgt vom Wunsch nach Rendite. Gleichermaßen sind die Anschaffung von Wohneigentum und Konsumzwecke beliebte Sparmotive der Deutschen.

Im Schnitt legt jeder Bürger durchschnittlich 180 Euro monatlich zur Seite, was eine Sparquote von 11,4 Prozent des verfügbaren Einkommens bedeutet.

Hessen sparen am meisten, Mecklenburg hinten

Gemessen an den Pro-Kopf-Spareinlagen wird in Hessen am meisten gespart: Mit durchschnittlich 33.230 Euro pro Kopf konnte das
Bundesland mit der Finanzmetropole Frankfurt das private Vermögen im Jahr 2010 nochmals um 1.800 Euro gegenüber dem Vorjahr steigern. Die weiteren Plätze werden von Hamburg und Bayern belegt, die mit 23.338 bzw. 21.820 Euro jedoch bereits weit abgeschlagen sind. Auf den letzten Plätzen rangieren alle neuen Bundesländer, wobei Mecklenburg-Vorpommern mit 9.603 Euro das Schlusslicht bildet. Grundsätzlich ist die Tendenz jedoch positiv: Alle Bundesländer mit Ausnahme von Bremen haben im Jahr
2010 einen positiven Zuwachs zu verzeichnen.

Bundesland durchschnittl. Guthaben/Kopf 2009 durchschnittl. Guthaben/Kopf 2010 Anteil der Menschen, die regelmäßig sparen in %
Hessen 31.536 € 33.230 € 57 %
Hamburg 22.300 € 23.338 € 54 %
Bayern 21.305 € 21.820 € 59 %
Baden-Württemberg 19.864 € 20.400 € 57 %
Berlin 17.655 € 19.688 € 42 %
Bremen 17.644 € 17.595 € 56 %
Rheinland-Pfalz 16.894 € 17.685 € 56 %
Saarland 15.831 € 16.552 € 51 %
Nordrhein-Westfalen 15.642 € 16.097 € 63 %
Schleswig-Holstein 15.457 € 16.177 € 53 %
Niedersachsen 15.310 € 15.862 € 56 %
Sachsen 11.293 € 11.619 € 51 %
Thüringen 10.347 € 10.711 € 56 %
Sachsen-Anhalt 9.911 € 10.2180 € 51 %
Brandenburg 9.464 € 9.937 € 57 %
Mecklenburg-Vorpommern 9.309 € 9.603 € 59 %

Sparverhalten verändert sich durch die Schuldenkrise

Dabei legen die Nordrhein-Westfalen laut einer Forsa-Umfrage aus dem Jahr 2011 am häufigsten Geld zur Seite, die Berliner sparen hingegen am seltensten.

Bundesland Anteil der Menschen, die 2012 weniger Geld sparen möchten Anteil der Menschen, die ihr Sparverhalten aufgrund der Schuldenkrise verändert haben
Mecklenburg-Vorpommern 32 % 15 %
Saarland 28 % 18 %
Sachsen-Anhalt 25 % 13 %
Brandenburg 25 % 15 %
Berlin 24 % 12 %
Hamburg 24 % 9 %
Nordrhein-Westfalen 23 % 23 %
Sachsen 22 % 16 %
Thüringen 21 % 19 %
Schleswig-Holstein 21 % 15 %
Niedersachsen 19 % 17 %
Bayern 16 % 13 %
Baden-Württemberg 15 % 15 %
Bremen 15 % 20 %
Rheinland-Pfalz 15 % 9 %
Hessen 11 % 15 %

Gleichzeitig planen die Bürger Mecklenburg-Vorpommerns für das Jahr 2012 jedoch, künftig weniger Geld beiseite zu legen. 32 Prozent haben angegeben, dass sie künftig weniger sparen wollen – beim Spitzenreiter Hessen sind dies nur 11 Prozent. Der bundesdeutsche Schnitt, weniger Geld ansparen zu wollen, liegt dabei bei 19 Prozent gegenüber dem Vorjahresschnitt von 14 Prozent. Dies ist vor allem auf die aktuell niedrigen Zinssätze, Angst vor Arbeitslosigkeit und die Angst vor der Inflation zurückzuführen. Dem gegenüber stehen 63 Prozent, die ihr Sparverhalten beibehalten wollen, 16 Prozent planen sogar höhere Summen ein.

Die Sparstrategien der Deutschen

Mehr als zwei Drittel aller Bundesbürger beginnt nach einer Studie des Demoskopischen Instituts Allensbach vom August 2011 (1.792 Befragte ab 16 Jahren) mit dem Sparverhalten bereits beim Einkauf: 69 Prozent vergleichen die Preise, 55 Prozent entscheiden sich bewusst gegen einen Einkauf von Markenartikeln und präferieren die Discounter. Jeder Vierte versucht, die Preise durch Rabatte oder Zusatzleistungen weiter zu reduzieren. Auch der Onlinehandel verzeichnet in diesem Zusammenhang einen Zuwachs: Inzwischen kaufen mehr als 20 Prozent aller Befragten im Internet. Die eigenen Haushaltsausgaben werden ebenfalls von 20 Prozent überprüft, indem Zeitschriftenabos und Beiträge hinsichtlich ihres Sparpotenzials überprüft werden.

Sparen nur ohne persönliche Einschränkungen

Die Hälfte aller Befragten schreibt dem Sparen einen Sinn zu, jedoch besteht dabei kein Bedürfnis zur persönlichen Einschränkung und dem Verzicht auf Dinge um des Sparens Willen, was sich zum Beispiel gut mit Studentenrabatten erreichen lässt. Dabei geben 13 Prozent zu, dass sie gern sparen würden, jedoch beim Kauf von Waren häufig nicht widerstehen können. Weitere 13 Prozent verweigern sich dem Sparen aus hedonistischen Motiven gänzlich, zusätzliche 3 Prozent scheuen den Aufwand der Preisvergleiche. Lediglich 12 Prozent aller Bürger stellen das Sparen als höchste Priorität vor den Genuss und sind bereit, auf Dinge zu verzichten.

Dabei unterscheiden sich die Ertragsmöglichkeiten der Geldanlagen maßgeblich voneinander: Während der Erwerb von Gold im Jahr 2011 zu Renditen von über 10 Prozent führte, verloren Aktien (DAX-Werte) durchschnittlich um 15 Prozent. Auch bei Sparbüchern, der beliebtesten Geldanlage der Deutschen, wird das Geld tendenziell weniger als mehr. Durch den ausbleibenden Wechsel zugunsten von Tagesgeldkonten verschenken die Deutschen damit jährlich Milliarden. Hinzu kommt der fehlende Überblick der Deutschen über ihre Finanzen: Nur jeder Dritte hat seine Gelder regelmäßig im Blick und kennt die Höhe der Zinszahlungen.

Demografische Unterschiede im Sparverhalten

Eine Umfrage des Bundesverbandes deutscher Banken hat ergeben, dass junge Menschen wesentlich mehr Geld sparen als die ältere Generation. Während 74 Prozent der 25- bis 29-Jährigen regelmäßig sparen, legt hingegen bei den über 60-Jährigen nur fast jeder Zweite Geld auf die Seite. Ein Drittel der Senioren gab sogar an, gar nicht zu sparen.

Auch unterscheiden sich die Generationen hinsichtlich ihrer Anlageformen: Sparbücher sind vor allem bei älteren Bevölkerungsschichten beliebt sind und auch bei den Aktien gibt es Alters- und Bildungsunterschiede.

Die größte Spontanität bei der Wahl der Anlageform weisen die Süddeutschen auf, die häufiger als andere Bundesbürger bei Aktien- und Fondanlagen aus dem Bauch heraus entscheiden.

Die Top 10 der Anlageformen in Deutschland

Die Liste basiert auf einer vom 20.04. bis 04.05.2011 durchgeführten Umfrage des forsa-Institutes, an der sich 1.010 Befragte zwischen 18 und 65 Jahren beteiligten.

1. Sparbücher

Das Sparbuch ist die noch immer beliebteste Anlageform der Deutschen – rund 55 Prozent der Bevölkerung besitzen ein Sparbuch. Eine Studie des DIW geht sogar von 76 Prozent aus. Im Gegensatz zu Sparverträgen werden diese häufiger von Frauen als von Männern und häufiger von der älteren Bevölkerung genutzt. Mit durchschnittlich 0,5 Prozent Zinsen sind sie eine kaum profitable Geldanlage.

2. Kapitallebensversicherungen und private Rentenversicherungen

43 Prozent aller Befragten haben eine private Renten- oder Kapitallebensversicherung abgeschlossen. Damit wird ein Trend der
Deutschen bzw. der Europäer allgemein widergespiegelt, der aufgrund der unsicheren Zukunft einen Anstieg der Anlageform Altersvorsorge abzeichnet. Neben den Kapitallebensversicherungen werden jedoch auch andere Anlageformen wie Riester-Renten, Wohneigentum oder betriebliche Altersvorsorgen genutzt.

3. Tagesgeld

Festgeldkonten werden mehrheitlich von der männlichen Bevölkerung als Geldanlage genutzt. Insgesamt besitzen 39 Prozent aller Befragten ein Tagesgeldkonto. Damit bleibt diese Anlageform weit hinter dem Sparbuch zurück, wenngleich eine hohe Flexibilität, ständige Verfügbarkeit und ein nahezu nicht vorhandenes Verlustrisiko bei Zinssätzen um die zwei Prozent gegeben sind.

Auch für Studenten bieten Tagesgeldkonten attraktive Sparmöglichkeiten mit dem richtigen Maß an Flexibiltät.

4. Bausparverträge

Mit 38 Prozent sind Bausparverträge beinahe ebenso beliebt wie Tagesgeldkonten. Aufgrund der langen Bindungszeiten stellen sie eine
langfristige Geldanlage dar, die in der Regel zum Erwerb von Eigenheim genutzt wird. Attraktiv ist der Abschluss eines Bausparvertrages vor allem dann, wenn die Inanspruchnahme des Darlehens beabsichtigt wird.

5. Fondsanteile

Unter den Fondsanteilen sind bei den nach Sicherheit strebenden Deutschen vor allem die Rentenfonds beliebt, die als festverzinsliche
Wertpapiere ein überschaubares Risiko mit sich bringen. Aufgrund der Kursschwankungen sind Beteiligungen an Fonds jedoch ebenfalls eine langfristige Anlage, die wenig Flexibilität erlaubt. Renditen liegen langfristig bei ca. 7 Prozent, wenn über die gesamte Laufzeit keine Veräußerung erfolgt. Dementsprechend sind die Fonds nur für Anbieter geeignet, die langfristig auf das angelegte Kapital verzichten können.

6. Festgeld

16 Prozent der Deutschen legen Teile ihres Kapitals in Festgelder an. Je länger dabei die Laufzeiten sind, desto attraktiver sind die
Renditen. Da der Sparer nach Abschluss des Vertrages jedoch nicht an sein Geld kommt, sollten stets ausreichende Reserven vorhanden sein. Momentan erscheint der Abschluss eines Festgeldvertrages nicht sinnvoll, da aufgrund der aktuellen Niedrigzinsphase nur geringe Zinssätze gelten, die dann jedoch auf die gesamte Laufzeit festgeschrieben werden. Dementsprechend empfiehlt sich eher, das Geld vorübergehend auf einem Tagesgeldkonto zu deponieren und einen Anstieg der Zinsen abzuwarten.

7. Sparvertrag/Sparbrief

Sparverträge und Sparbriefe werden ebenfalls von 16 Prozent der Bevölkerung als Geldanlage genutzt. Unter diese Form der Geldanlage fallen Ratensparverträge, Wachstumssparen, Bonussparen und Banksparpläne. Damit wird allgemein eine Anlageform bezeichnet, die ähnlich wie das Sparkonto dem Vermögensaufbau dient, bei der es aber (unterschiedliche) Einschränkungen über die Verfügbarkeit, z. B. hinsichtlich der Kündigungsfristen gibt. Diese können sich bisweilen auf mehrere Jahre belaufen, sodass Geld nur langfristig verfügbar ist.

8. Aktien

14 Prozent aller Befragten besitzen Aktien, d. h. Bruchteile des Grundkapitals an einem börsennotierten Unternehmen. Der Aktionär erhält damit ein Recht auf einen Anteil am Bilanzgewinn. Aufgrund der Finanzkrise kann es weltweit zu starken Schwankungen des Aktienkurses kommen, weshalb die Anlage in Aktien immer mit einem Risiko einhergeht. Dieses kann je nach Unternehmen und Investition gering oder durch spekulative Anlagen sehr hoch sein – mit dem Risiko steigen jedoch auch die Renditechancen. Darüber hinaus muss sich der Käufer von Wertpapieren mit dem Aktienmarkt auseinandersetzen, was diese Form der Geldanlage für den Laien erschwert.

9. Sonstige festverzinsliche Wertpapiere

Sonstige festverzinsliche Wertpapiere werden von lediglich drei Prozent als Anlageform genutzt. Sie dienen der langfristigen Geldanlage durch Anteile an Anleihen, Schuldverschreibungen, Rentenpapieren und Obligationen. Der Käufer erwirbt dabei nicht wie bei einer Aktie den Anteil eines Unternehmens, sondern gewährt diesem einen Kredit. Dadurch erhält er den Status des Gläubigers. Er erhält damit während der Laufzeit des Kredites einen festgeschriebenen Zinssatz, am Ende der Laufzeit (meist kurzfristige unter 4, mittelfristige von 4-8 oder langfristige über 8 Jahre) wird der überlassene Kapitalbetrag rückerstattet.

10. Bundeswertpapiere und Zertifikate

Je zwei Prozent der Befragten der forsa-Umfrage halten Anteile an Bundeswertpapieren, d. h. öffentliche Anleihen des Bundes, die zur Finanzierung von Defiziten verwendet werden. Die Anlageform kann dabei variieren zwischen kurzfristigen Anleihen, die täglich kündbar sind, bis hin zu langfristigen Bundesanleihen. Deutschland gilt aufgrund der Einschätzungen von Rating-Agenturen als einer der sichersten Schuldner weltweit, wobei die Anleihen zusätzlich über das deutsche Steueraufkommen besichert sind. Wie auch die Anlageform unterscheiden sich die Zinszahlungen: Tagesanleihen werden mit täglichem Zinseszins in Form einer thesaurierenden Bundesanleihe vergütet, Bundesschatzbriefe gibt es mit jährlichen Zinszahlungen sowie als Typus mit Zinseszinsen, die am Ende der Laufzeit ausbezahlt werden.

Umfrageergebnisse im Überblick

Anlageform Prozent der Befragten
Sparbuch 55 %
Kapitallebensversicherung/private Rentenversicherung 43 %
Tagesgeldkonto 39 %
Bausparvertrag 38 %
Fondsanteile 29 %
Festgeld/Termingeld 16 %
Sparvertrag/-brief 16 %
Aktien 14 %
sonstige festverzinsliche Wertpapiere 3 %
Bundeswertpapiere 2 %
Zertifikate 2 %
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Ein Gedanke zu „Wie sparen die Deutschen? Die beliebtesten Anlagen in Deutschland

  1. Beunruhigend ist, dass 22 Prozent aller befragten Jugendlichen gar nichts sparen. Bei jungen Frauen liegt der entsprechende Anteil sogar bei fast 25 Prozent, bei Männern sind es 20 Prozent. Mit zunehmendem Alter wachsen jedoch die Bereitschaft und die finanziellen Möglichkeiten, Geld für die Vermögensbildung zurückzulegen.

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